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Der Beckenboden, unsere geheime Kraft!

 

 

 

 

 

Photo by Bewakoof.com Offizial on Unsplash

 

 

Jeder von uns träumt doch davon, mit einer gewissen Körperhaltung durchs Leben zu laufen. So, dass die, denen ich begegne, mich wahrnehmen als diejenige, die ich bin. 

 

Jedes Mal, wenn ich länger irgendwo gesessen habe, erst recht abhängig von der Tageszeit, wünsche ich mir, aufzustehen und voller Elan und mit Anmut dorthin zu gehen, wohin mich mein Körper gerade bringt. Ein bißchen schon, wie ein gut trainierter Sportler oder eine von diesen Personen, die wir tagtäglich in den Medien gezeigt bekommen. 

Nein, nein, nicht direkt eine Laufstegschönheit! So nicht! 

Aber doch, dass mir meine Mitmenschen vielleicht ein "Wow!" entgegenbringen, oder zumindest mir achtungsvoll begegnen. Und zwar so, dass ich nicht das Gefühl habe, ich muß mehr Kräfte mobilisieren als die, die ich gerade brauche, um nur aufrecht zu stehen!

 

Das geht! Und es ist garnicht so schwierig!

 

Ich bin Körpertherapeutin - Physiotherapeutin & Sportheilpraktikerin - und als ich vor 1998 das 1. Mal schwanger war, war das Gefühl, einen Teil meines Körpers untervermietet zu haben, schon sehr gewöhnungsbedürftig. Nicht nur, weil ich der Veränderung dieses Körpers erstaunt zuschaute, sondern auch, weil ich mich bis zum Ende schwer tat, diese Veränderung ohne Probleme anzunehmen und einzubauen. 

Es kam doch gerne mal vor, dass ich z.B. beim Umdrehen die Abmessungen meines Bauches falsch berechnete und dann - rumms - am Türrahmen hängen blieb. 

 

Nach der Entbindung war ich zwar wieder alleiniger Nutzer meines Körpers, aber ich vermißte doch ein wenig meine gewohnte Körperbeherrschung, die ich mir in der Zeit vor der Schwangerschaft umfangreich und mühevoll aufgebaut hatte. 

Immer, wenn ich mich in der Senkrechten bewegen mußte, hatte ich den Eindruck, ich betreibe eine Art Wettkampf. Aufrecht Stehen, Gehen und das doch bitte ohne  Bewegungsabläufen, die an einen sich fortbewegenden Eimer erinnern.

Von der zusätzlichen Fremdbestimmung durch mein Kind mal ganz abgesehen. 

 

Ich hatte ein Ziel! 

 

Ich wollte wieder anmutig und stabil, aufrecht meinen Mitmenschen begegnen und auch durch meine Körperhaltung mein Standing demonstrieren.

Aller Anfang ist schwer, aber nicht unmöglich! Auch nicht, wenn der gewohnte Tagesablauf ganz andere Dimensionen einnimmt. Nachts mehrmals aufstehen, tagsüber plötzlich und unerwartet alles stehen und liegen lassen. Ganz zu schweigen, dass in Ruhe ein Buch...Ach, was sag ich! Schon einen Artikel lesen war zuviel. Eine entspannende Fernsehsendung oder ein Film entschwand in weite Ferne, da nach eventuellen mehrmaligen Unterbrechungen der Zusammenhang sowieso flöten ging.

Doch den Körper wieder als eigene Ebenen der Selbständigkeit selbstbestimmt zu entdecken und einzubinden, zumindest teilweise, war ein erster Sieg!

Veranlaßt durch diese Lebenssituation und meine beruflichen Erfahrungen begann ich meinen Körper neu zu erleben. Ein wesentlicher Anteil - auch ohne Schwangerschaft - dieser Körperbeherrschung war und ist der Beckenboden. Eine Muskelgruppe, die jedem Menschen zueigen ist. Und wirklich JEDER - ob Mann oder Frau - kann ihn mit ein wenig Übung besser ansteuern und einbauen. Und unter Übung verstehe ich nicht, brav mehrmals die Woche irgendwo mit einer Matte ein Trainingsprogramm zu absolvieren. Oder nach Vorgabe Übungen abzuturnen. Nein, es geht darum, sich des Beckenbodens bewußt zu werden und diesem seine Aufgabe bewußt zu machen. Die ist nämlich, dem Körper aufrechten Halt zu geben. 

Und schon sind wir bei Elan und Anmut! 

 

Beckenbodenpower heißt aufrechte Position mit Stabilität in der Bewegung

 

Das zeigt sich dann in Elan und Anmut!

Nach der Schwangerschaft war Rückbildung für den Beckenboden nicht nur Pflicht, sondern Kür! Neben der Kräftigung hieß es auch, die innere Vernetzung der Muskeln, Sehnen und Faszien zu aktivieren und neu auszurichten. 

Klingt erstmal nach Arbeit. Ist es auch! Aber nicht so sehr für den Körper, sondern für den Kopf. 

 

Ja, für den Kopf! Denn das Gefühl dafür entsteht und lebt im Kopf. Und genauso entwickeln sich damit Elan und Anmut. Und je besser das Gefühl dafür, umso besser funktionierte auch der Rest.

Über Wissen des Aufbaus und der Lage und Visualisierung der Aktivierung dieser Powergruppe war und ist ein kontinuierliches Training und daraus resultierende Kräftigung möglich. Was anfangs kleiner Erinnerungshilfen bedurfte, entwickelte sich Stück für Stück zum Selbstläufer. Nach geraumer Zeit brauchte es nur noch in Ausnahmefällen Erinnerungen.

 

Heute arbeite ich mit Frauen nach der Schwangerschaft genauso wie mit Frauen in anderen und späteren Lebenssituationen. Aber ich arbeite auch mit Männern daran. Denn auch sie brauchen in unterschiedlichen Altersstufen einen guten Beckenboden. Und zusätzlich ist diese Muskelgruppe eine wichtige Unterstützung in allen Lebensbereichen. Ob Haltung im Arbeitsleben, Ausdruck meiner Persönlichkeit, Stabilisierung des Körpers zur Entlastung der Bandscheiben und vieles mehr. 

 

Nach den ersten Anfängen und Erfolgen gerade nach meiner 1. Schwangerschaft war ich daran interessiert meine Erfahrung zu vertiefen und zu festigen. Somit besuchte ich einen Workshop für ein spezielles Beckenbodentraining namens Cantienica, von Benita Cantieni entwickelt und erweitert. Ein gutes und nachvollziehbares Training, das mir noch heute viel Grundlage für meine Arbeit gibt.

Nach diesem Workshop hatte ich Feuer gefangen für eine Muskelgruppe, die bis heute in unserer Gesellschaft viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt.

 

Ja, sicher, es gibt Rückbildungsgruppen und -kurse, genauso wie Beckenbodentraining. Aber es ist immer noch schwierig, den Frauen und sogar vielen Ärzten klarzumachen, dass ein starker und stabiler Beckenboden wichtig für alles ist. Von Männern reden wir erst garnicht!

 

Wie oft habe ich von Frauen nach Schwangerschaften gehört: 

„Ich brauche keine Rückbildung, mein Gewicht ist wieder fast wie vorher!“ oder „Ich habe keine Probleme mit meiner Blase!“ 

 

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Wenn die Klamotten wieder passen, dann ist deswegen noch lange nicht die Muskulatur wieder fit! Und die Blase hat auch schon vor der Inkontinenz ihre Schwächen. 

 

Oder auch gerne von Ärzten: 

„Bei Problemen mit der Gebärmutter oder der Blase und nach Abschluss der Familienplanung können wir die Gebärmutter doch entfernen. Die brauchen sie ja dann eh nicht mehr!“

 

Hallo!!!!! Was ist denn das??

 

Weder ist die Gebärmutter nur für die Fortpflanzung notwendig, noch ist eine Frau einfach nur eine Gebärmaschine! Wo hat denn da Herr oder auch Frau Doktor im Studium nicht aufgepaßt oder sich erzählen lassen, dass bei Bedarf gerne mal ein Teil entfernt und weggeschmissen wird? Klappt doch beim Auto auch nicht! Und da weiß es JEDER!

 

Auch zu meinen „Lieblingsaussagen“ zählt: 

„Das ist sooo anstrengend, das kommt doch irgendwann von ganz alleine wieder?!“

 

oder umgekehrt:

 

„Ist das alles, was wir hier machen? Dann gehe ich lieber ins Studio. Da schwitze ich wenigstens!“

 

Jeder oder jede, der oder die zu mir kommt wegen Beckenbodentraining, bekommt von mir eine sehr detaillierte und mit Bildern unterstützte Erklärung, was der Beckenboden ist, wo er sitzt, wie er arbeitet UND wie wir alle ihn in den Alltag integrieren können. Und da doch viele es verstehen und versuchen umzusetzen, kann es wohl nicht ausschließlich an meiner Art der Erklärung liegen, dass solche Aussagen kommen!

 

Ich gebe zu und kann mich erinnern, dass gerade in den ersten Wochen und Monaten nach einer Entbindung Müdigkeit und körperliche Erschöpfung das Hauptthema ist. Aber das eigene Wohlbefinden kommt nun mal leider nicht wie durch Zauberhand, ohne etwas zu tun, zurück! Und die gewünschten Körpermaße nur in den seltensten Fällen! Und je mehr Kinder jede Frau bekommt, umso schwieriger wird es.

 

 

Beckenbodentraining ist der Anfang vom Training jeder Art

 

Ich sehe jetzt vor meinem inneren Auge einige ungläubig schauen und andere ganz heftig den Kopf schütteln. Aber es stimmt! 

Viele Trainingsarten bauen darauf auf, ohne dass es bewußt angesprochen wird. Tai Chi, Aikido, Judo, Karate, Bauchtanz, Yoga und vieles mehr. Denn ohne Beckenbodenkraft ist ein Bewegungsablauf in diesen und anderen Sportarten nicht durchführbar, da die Instabilität zum Wackeln führt und schwupps ist die Bewegung im Eimer!

Darum beginnen viele dieser oben genannten Trainings mit Fall- und Standübungen. Aber auch in anderen Sportarten haben langsame und / oder stoische immer wiederkehrende gleichmäßige Bewegungsabläufe ihren Platz. 

Ja, richtig, um die Motorik zu schulen. Aber auch die Stabilität! Die hat ihren Ursprung im Kopf, in den Füßen UND im Beckenboden = die stabile Mitte. Und von der redet so gut wie jeder Trainer!

 

Jeder Bewegungsablauf funktioniert mit Beckenboden

 

Der Einbau dieses Powerpaketes ist ohne Umstand möglich und ohne, dass es in herausragend besonderer Form geschehen muß.

 

Auch hier habe ich Sätze im Ohr wie:

„Die Blume geht auf, die Blume geht zu!“

„Die Schwanzquaste des Löwen bewegt sich vor und zurück!“

 

oder auch „gerne“:

„Der Pinsel malt eine Linie nach vorne und hinten!“

Aber das beste, was ich je gehört habe, ist:

 

„Stell Dir vor, Du gehst über eine Wiese und pflückst mit den Schamlippen Blumen!“

 

Wer macht denn bitte sowas?

 

Ich nicht! Und die Bilder dazu machen mich eher wütend! Ich bin doch kein doofes Püppchen, dem man nicht mal erklären kann, wie so etwas funktioniert! Und alle anderen doch auch nicht.

Oder findet jemand diese Bilder toll?

Und einem Mann brauchst Du so ein Bild garnicht vorschlagen! Verständlich!

 

Das war für mich der Anlaß, es anders zu erklären. Und alle verstehen es! Mal früher, mal später, aber sie verstehen es!

Und wenn dann noch die Mechanik der Verspannungskraft anschaulich genug erklärt ist, dann bleibt es meist auch reproduzierbar. Und das ist mein Ziel!

 

Also, auf geht´s! Beckenboden für ALLE!